Ehrung der Feldgeschworenen

Am vergangenen Dienstag zeichnete Landrat Andreas Meier langjährige Feldgeschworene aus. Für den Gemeindebereich Vohenstrauß wurden Karl Axmann aus Roggenstein und Andreas Baierl aus Lämersdorf geehrt.

Die auf Lebenszeit gewählten Feldgeschworenen sind so genannte „Hilfsorgane“ der Gemeinde. Die Auflösung zahlreicher Gemeinden im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1972 durch Zusammenlegung oder Eingliederung hatte zur Folge, dass deren Organe und die Ämter der Organmitglieder erloschen. Dies galt somit auch für die Feldgeschworenen.

Nach der Eingliederung der ehemaligen Gemeinden Altenstadt b. Vohenstrauß, Böhmischbruck, Kaimling, Oberlind, Roggenstein und Waldau in die Stadt Vohenstrauß vor 46 Jahren hätte sich die Zuständigkeit der für Vohenstrauß bestellten Feldgeschworenen auch auf die Gebiete der eingegliederten Gemeinden erstreckt. Dies aber wollte der Stadtrat der neugebildeten Großgemeinde Vohenstrauß nicht. Vielmehr machte das Gremium von der Möglichkeit Gebrauch, die bisherigen Feldgeschworenen der aufgenommenen Gemeinden zu besonderen Feldgeschworenen für das Gebiet ihrer früheren Gemeinde zu bestellen bzw. neue Feldgeschworene zu bestellen.

Der Stadtrat Vohenstrauß hat hierauf in seinen Sitzungen am 24.04.1972 und 16.04.1973 für jeden Gemeindeteil eigene Feldgeschworene gewählt, insgesamt 28 an der Zahl. Von diesen 28 der "ersten Stunde" nach der Gebietsreform sind heute nur noch 2 aktiv im Einsatz.  Dies sind die Herren Karl Axman und Andreas Baierl, die für ihr 50jähriges verdienstvolles Wirken geehrt wurden. Dies deshalb, weil sie bereits 4 Jahre vor der Gebietsreform von ihrer damaligen Gemeinde Roggenstein bestellt worden waren.

Wenn einem Menschen wie Karl Axmann in seinem Heimatort jeder Weg, jeder Winkel, jedes Feld, jedes Waldstück und jeder Mitbewohner bekannt und vertraut ist, dann ist dieser für ein Ehrenamt wie das des Feldgeschworenen wie geschaffen. Und so war es für den Bürgermeister und Gemeinderat der damals noch selbständigen Gemeinde Roggenstein überhaupt keine Frage, den gerade einmal 30 Lenze zählenden Junglandwirt Karl Axmann zum Feldgeschworenen zu bestellen. Für den seinerzeit noch ungebundenen jungen Burschen eine große Ehre, wurden doch zu jener Zeit in der Regel nur "gestandene" Männer mit entsprechender Lebenserfahrung in das "Siebener-Geheimnis" eingeweiht. Und vier Jahre später, als Roggenstein im Zuge der Gebietsreform in die Stadt Vohenstrauß eingegliedert wurde, erhielt Karl Axmann vom Stadtrat Vohenstrauß ebenso das Vertrauen. Ein Vertrauen, das er seit nunmehr 50 Jahren mehr als rechtfertigt. Vor über 80 Jahren in Roggenstein geboren, dort aufgewachsen und dort seitdem lebend, ist er mittlerweile zu einer Institution des Dorfes geworden. Eine Persönlichkeit, zu der mittlerweile der 6. Bürgermeister während seiner Amtszeit als Feldgeschworener voller Respekt aufblickt. Nicht nur wegen seiner Feldgeschworenentätigkeit, sondern auch wegen seiner vielen anderen Fähigkeiten. So ist das Brot aus seinem Backofen weit über die Grenzen von Roggenstein hinaus beliebt und begehrt, seine Fähigkeiten als „Besenbinder“ werden allseits bewundert und als Mesner war er einige Jahre die rechte Hand des Pfarrers. Die langjährige Tätigkeit beim Weidener Vermessungsamt war für Karl Axmann natürlich ein besonderer Vorteil. Mit dem Eintritt in den Ruhestand endete seine Arbeit als Feldgeschworener jedoch nicht.

Landwirte und eingesessene Bürger mit ausgezeichnetem Leumund waren seit jeher die geeigneten Männer für das wohl älteste Ehrenamt Deutschlands, die Feldgeschworenen. Andreas Baierl wurde 1968 zum Feldgeschworenen bestellt und 4 Jahre später vom Stadtrat Vohenstrauß in seinem Amt bestätigt. Aufgrund seines Berufs als Vollerwerbslandwirt war Herr Baierl natürlich stets der erste Ansprechpartner, wenn es um Vermessung im und um das Luhetal ging. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Vor einem halben Jahrhundert leistete Herr Baierl einen Eid auf gewissenhafte und unparteiische Erfüllung seiner Pflichten. 50 Jahre lang hat er nach diesem Eid gehandelt, ob in den ersten Jahren bei den damals laufenden Flurbereinigungsverfahren oder bei all den anderen, unzähligen Vermessungen und Abmarkungen in der langen Zeit. Wann immer Herr Baierl mit seinem Traktor durch Lämersdorf oder Roggenstein tuckerte, den Anhänger beladen mit Grenzsteinen, Holzpflöcken, Schaufel und Pickel, so war allen klar, dass er auf dem Weg zu seiner Lieblingsbeschäftigung ist. Besonders anerkennenswert ist die Tatsache, dass er sich nie zu schade war, in die Hände zu spucken, um das Loch für den zu setzenden Grenzstein selbst zu graben. Trotz seines hohen Alters – vor einigen Wochen konnte er seinen 85. Geburtstag feiern – denkt Herr Baierl nicht daran, als Feldgeschworener einen Schritt kürzer zu treten. "Solange es noch irgendwie geht", sagte er sich, "mache ich weiter".

Auch wenn sich die Arbeitsweise von Geometern und Feldgeschworenen in den vergangenen Jahren stark verändert und vereinfacht hat, so bleibt doch das Wissen der "Siebener", wie die Feldgeschworenen im Volksmund genannt werden, über die überlieferten Grenzen, ihre Orts- und Menschenkenntnisse, unersetzlich. Die Herren Axmann und Beierl sind seit 50 Jahren Teil einer wichtigen Säule im öffentlichen Vermessungswesen, die zu Bürgernähe, Effizienz und Verwaltungsvereinfachung beiträgt. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung.

zurück
nach oben